Schutz & Rettung Zürich: Tunnelbrände stellen Feuerwehr vor extreme Herausforderungen
Dichter, schwarzer Rauch schlägt den Feuerwehrleuten im Tunnel entgegen und nimmt ihnen die Sicht.
Dichter, schwarzer Rauch schlägt den Feuerwehrleuten im Tunnel entgegen und nimmt ihnen die Sicht. Die Hitze kann kaum aus der Tunnelröhre entweichen und der hohe Lärmpegel der Tunnellüftungen sorgt dafür, dass sich die Feuerwehrleute nur schlecht verständigen können. Auch der Zugang zum Brandherd ist erschwert, denn verschiedene Fahrzeuge blockieren die Strecke. Solche Brandereignisse in Strassentunneln verlangen eine spezielle und individuelle Einsatztaktik.
Adrian Schaub, Dienstgruppenleiter der Berufsfeuerwehr bei SRZ, engagiert sich als Mitglied der European Fire Service Tunnel Group (EFSTG) für mehr Tunnelsicherheit und gibt einen Einblick in die Brandbekämpfung in Strassentunneln.
Internationale Zusammenarbeit
„In der EFSTG tauschen sich Expert*innen für Tunnelsicherheit aus ganz Europa zu sicherheitsrelevanten Themen und bewährten Methoden der Tunnelbrandbekämpfung aus“, sagt der Dienstgruppenleiter der Berufsfeuerwehr bei SRZ. Einmal pro Jahr trifft sich die EFSTG in Europa, um aktuelle Themen zu diskutieren. Im März 2025 waren die Delegierten der EFSTG bei Schutz & Rettung Zürich zu Besuch. Neben intensiven Fachgesprächen standen auch ein Besuch bei der International Fire Academy (ifa) sowie eine Besichtigung der Uetliberg-Tunnelanlage an, die in Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt der Baudirektion des Kantons Zürich organisiert wurde. „Der internationale fachliche Austausch hilft, den eigenen Horizont zu erweitern“, sagt Adrian.
Eine erfolgreiche Tunnelbrandbekämpfung erfordert Vorbereitung und Übung von den Rettungskräften. „Es gehört zu unserer Aufgabe als Feuerwehr, dass wir uns mit den Gegebenheiten und der Bauart der (umliegenden) Tunneln beschäftigen“, betont Adrian. Aber auch regelmässige Trainings sind für eine erfolgreiche Tunnelbrandbekämpfung unerlässlich. „Wir absolvieren jedes Jahr eine Ausbildungssequenz bei der ifa“, so Adrian. Die ifa hat Einsatztaktiken für Tunnelereignisse erarbeitet und verfügt über eine Tunnelanlage, in der das Vorgehen in verschiedenen realitätsnahen Szenarien geübt wird. „Schlimme Einsätze in Schweizer Tunnelanlagen sind selten – und genau deshalb müssen wir sie trainieren, um die Abläufe im Ernstfall genau zu kennen.“
Tunnel ist nicht gleich Tunnel
„Das Vorgehen ist klar“, erklärt Adrian, „erkunden, löschen, retten. Auf diese Tunnel-Einsatztaktik stützen wir uns bei einem Brandereignis in einem Strassentunnel.“ Dennoch sind Strassentunnel unterschiedlich aufgebaut: ein- oder zweiröhrig, Gegen- oder Richtungsverkehr. Dazu kommen die Verkehrssituation, vorhandene Lüftungen und die Rauchentwicklung, die das Ereignis beeinflussen. „Wichtig ist, als Einsatzleiter keine Nervosität auszustrahlen, denn diese überträgt sich auf die Feuerwehrleute“, so Adrian.
Zu Beginn einer Tunnelbrandbekämpfung wird in den meisten Fällen auf den Zweiseitenangriff gesetzt. In der Stadt Zürich sind das jeweils die Berufs- und eine benachbarte Stützpunktfeuerwehr, die auf beiden Seiten des Tunnelportals aufgeboten werden. „Die beiden Einsatzleiter*innen an den jeweiligen Portalen sprechen sich ab“, erklärt Adrian. „Aus welcher Richtung kommt der Rauch? Gibt es Fahrzeuge im Tunnel, die die Durchfahrt für ein Tanklöschfahrzeug versperren? Hat der Tunnel einen Sicherheitsstollen und/oder Querschlag, durch den die Feuerwehr vorrücken kann? Kommen Menschen oder Autos entgegen? All das bestimmt wiederum das weitere taktische Vorgehen.“
«Rauch breitet sich viel schneller aus, als Menschen flüchten können – und in einem Tunnel ist dieser Effekt besonders stark.»
Adrian Schaub, Dienstgruppenleiter der Berufsfeuerwehr und Delegierter EFSTG
Im Anschluss wird ermittelt, von welchem Portal die Feuerwehr (besseren) Zugang zum Brand hat, um diesen zu löschen. „Rauch ist die grösste Gefahr“, erklärt Adrian. „Rauch breitet sich viel schneller aus, als Menschen flüchten können – und in einem Tunnel ist dieser Effekt besonders stark. In dichtem Rauch verlieren die Menschen darum sehr schnell die Orientierung. Zusätzlich können enorm hohe Temperaturen herrschen, wenn Rauch und Hitze nicht aus dem Tunnel entweichen können.“
Deshalb greift auch hier der Grundsatz: Löschen, um zu retten. Denn je schneller das Feuer unter Kontrolle gebracht und gelöscht wird, desto schneller kann auch die Rauchproduktion gestoppt werden. Ebenso wichtig wie das Löschen sei das Kühlen der Tunnelstruktur, betont Adrian. „Aufgrund der Hitze kann es zum Abplatzen von Betonelementen an der Tunneldecke kommen. Darum ist die Strukturkühlung vor allem für die eigene Sicherheit enorm wichtig – diese steht auch bei den Löscharbeiten stets an erster Stelle.“
Der Faktor Mensch
Mehr Menschen, mehr Mobilität. Der Strassenverkehr in der Schweiz nimmt zu, die Tunnelbauwerke werden länger. Das bringt insbesondere bei Brandereignissen in Tunneln Herausforderungen mit sich.
Autorin: Nadine Girod, Fachspezialistin Kommunikation/Mediensprecherin
Eine Tunnelbrandbekämpfung ist in der Regel besonders kräftezehrend. Die gestaute Hitze sorgt für eine zusätzliche körperliche Belastung und der dichte Rauch nimmt den Rettungskräften die Sicht. „Dazu kommt das Ungewisse: Wie viele Menschen sind im Tunnel? Hat das brennende Fahrzeug Gefahrengut geladen? Darum ist die Informationsbeschaffung zentral“, erklärt Adrian.
Nicht zu unterschätzen ist die menschliche Reaktion in Notsituationen. „Sie kann zu Folgeunfällen wie zum Beispiel zu Auffahrkollisionen führen, sodass die Fahrzeuge die entsprechende Tunnelröhre blockieren. Auch hier ist es deshalb wichtig, sich immer mit der Gegenseite über die Situation auszutauschen“, sagt Adrian. Parallel zur Brandbekämpfung werden oftmals mithilfe eines Suchstocks die Menschen gerettet, die es nicht aus dem Tunnel geschafft haben. Viele Notausgänge verfügen über Schiebetüren, was von den flüchtenden Menschen in der Aufregung nicht immer erkannt wird.
Gemeinsam stark
Dennoch sprechen die eingangs erwähnten niedrigen Einsatzzahlen bei Tunnelereignissen für einen hohen Sicherheitsstandard: „Schweizer Tunnelanlagen sind sehr gut ausgebaut. Ein Ereignis wird sofort erkannt und lokalisiert, woraufhin die nötigen Einsatzmittel aufgeboten werden“, bestätigt Adrian. „Das weitere Vorgehen ist anschliessend bei jedem Tunnelbrand individuell – aber auch hier unterstützt sich die Europäische Fachgruppe EFSTG bei akuten Herausforderungen und Fragen gegenseitig.“
Quelle: Schutz und Rettung Zürich/Autorin: Nadine Girod, Fachspezialistin Kommunikation/Mediensprecherin
Bildquelle: Schutz und Rettung Zürich
